Mitte Juli lockte der Eiger Ultra Trail tausende Laufbegeisterte nach Grindelwald im Berner Oberland (Schweiz). Distanzen von 12 bis 250 Kilometern boten eine Herausforderung für Einsteiger wie Profis. Ich reiste für den 51 Kilometer langen Panoramatrail in die Region.
Auf in die Schweiz
Meine Reise begann am Freitag, 17. Juli 2026. An diesem Tag waren die Teams des 250km Laufs bereits seit über 24 Stunden unterwegs. Wegen starker Gewitter und Regen hatte der Veranstalter die Strecke in diesem Jahr auf gut 200 km gekürzt und den Start auf Donnerstagmorgen verlegt. Auch für das Wochenende waren die Prognosen unbeständig und es war mit Regen und Gewittern zu rechnen. Abgesehen von einer Warnung über möglicherweise nasse und rutschige Trails gab es für die weiteren Distanzen aber keine Änderungen im Ablauf.
Nachdem ich am Campingplatz am Ortsrand Grindelwalds eingecheckt hatte, holte ich meine Startunterlagen im Sportzentrum des Ortes ab. Neben der Nummer gab es ein paar Beigaben und den freundlichen Hinweis, dass die Pflichtausrüstung am Renntag stichprobenweise überprüft werden wird.
Den Rest des Tages legte ich die Beine hoch, damit ich am Folgetag gut erholt an den Start gehen konnte.
Raceday
Die Teilnehmer über die 101 Kilometer durften sich bereits um 4:00 Uhr auf den Weg machen. Mein Start war für 7:15 Uhr geplant. Entsprechend machte ich mich kurz nach 6:00 Uhr auf den kurzen Fußweg zum Startbereich, hinterlegte meinen Kleiderbeutel und bereitete mich auf das Rennen vor.
Pünktlich zum Startschuss öffnete auch der Himmel seine Schleusen und wir liefen die erste halbe Stunde im Regen. Der Weg führte raus aus dem Ort und nach drei welligen Kilometern erfolgte der erste große Anstieg hinauf auf die Große Scheidegg. Das Tempo am Start war hoch, das Feld zog sich in meinem Bereich schnell auseinander und bereits nach fünf Kilometern war ich ziemlich allein unterwegs. So folgte ich den fast durchgängig gut laufbaren Wegen zur ersten Verpflegungsstation, die ich nach knapp neun Kilometern und 1.000 Höhenmetern in gut einer Stunde erreichte.
Den Posten ließ ich schnell hinter mir und folgte den schönen Trail weiter Richtung First. Dort war für die 50er nach 14 km die zweite Verpflegungsstelle eingerichtet und wir trafen bereits auf das 100 Kilometer-Feld, welches hier schon 24 km absolviert hatte. Nach einer Runde auf dem First Cliff Walk in luftiger Höhe ging es weiter.
Der Weg führte zum Bachalpsee, den wir rechts liegen ließen und in technisches Gelände um Reeti, Simelihorn und Esel einbogen. Insgesamt kam ich gut voran, das überholen des dichter werdenden 100 km Feldes kostete in diesem Gelände jedoch Energie. In diesem Abschnitt war es wellig, aber allzu viele Höhenmeter waren nicht zu überwinden und der technischen Passage folgte bald ein Weg durch Wiesen. Das änderte sich nach der Verpflegungsstation Feld (21 km) wieder, von wo aus nach kurzer flacher Passage bald der steile Anstieg auf das Faulhorn begann.
Den Gipfel erreichte ich nach drei steilen Kilometern mit gut 600 Höhenmetern und sah bereits auf den letzten Metern, dass Wolken aus dem Tal aufzogen. Es dauerte nicht lang, bis die Sicht nicht mehr weit war und ein heftiger Regenschauer einsetzte, im Tal waren auch einzelne Donner zu vernehmen, doch die Gewitter waren weit genug weg und zogen nicht in meine Richtung. Der Regen kam dennoch zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, denn der Downhill vom Gipfel begann recht technisch und durch die nässe war zusätzliche Vorsicht geboten. An dieser Stelle verlor ich dann auch drei Plätze, die ich im weiteren Verlauf nicht wieder gutmachen konnte. Nach ein paar Minuten verzog sich der Regen glücklicherweise und die Sonne kam hervor und bescherte mir einen wunderbaren Ausblick auf die herrliche Landschaft.
Für meine Verhältnisse kam ich auf den folgenden, teilweise technisch felsigen, teilweise schmierig schlammigen Abschnitten gut voran. Nach und nach entzerrte sich auch das Feld der zu überholenden 100 km Starter und es stellte sich ein angenehmer Laufrhythmus ein.
Eine letzte fiese Herausforderung war der wurzelige und steile Abstieg von der Verpflegungsstelle Schwand nach Burglauenen. Hier war an Laufen teilweise nicht zu denken und die feuchten Wurzeln brachten das Profil meiner Schuhe an die Grenzen. Ich nahm bewusst Tempo raus und kam nicht wirklich flott voran, aber da ging mir die Sicherheit doch vor.
Nachdem auch diese Passage überstanden war, erreichte ich den letzten Verpflegungspunkt bei Kilometer 46. Von hier aus folgten knapp sechs Kilometer flussaufwärts entlang der schwarzen Lutschine zurück nach Grindelwald. Dort wartete noch ein kurzen, knackiger Anstieg hoch ins Dorf auf die Teilnehmer, bevor es durchs Dorf Richtung Ziel ging. Das erreichte ich nach 6:10:04 auf Gesamtrang 13.
Post Race
Im Ziel erhielt ich die wohlverdiente Finisher-Medaille und das Finisher-Shirt. Zudem wartete eine leichte Zielverpflegung auf die Teilnehmer. Nach der Erfrischung setzte ein weiterer Regenschauer ein, daher ging ich zügig ins Sportzentrum, um heiß zu duschen. Anschließend verließ das Gelände auch bald, um mich den Rest des Tages am Campingplatz auszuruhen.
Fazit Eiger Ultra Trail
Der Eiger Ultra Trail ist eine tolle Veranstaltung und bietet Distanzen für alle Leistungsklassen. Die Trails sind teils anspruchsvoll, aber belohnen die Teilnehmer mit wundervollen Ausblicken. Die gesamte Organisation entspricht den Standards typischer UTMB-Veranstaltungen und lässt kaum Wünsche offen. Leider lässt sich der Veranstalter das auch entsprechen teuer bezahlen, was in meinen Augen schon der größte Kritikpunkt an dem Event ist…



