Himmelfahrt heißt in der Schweiz Auffahrt – und seit 2014 findet an diesem Tag in St. Gallen der Auffahrtslauf statt. Auch 2026 lockte die Veranstaltung über 10.000 Teilnehmer auf die vielen verschiedenen Strecken, vom Kinderlauf bis zum Halbmarathon werden viele Interessen abgedeckt.
Nachdem ich 2025 am Halbmarathon teilnahm, reichte mir in diesem Jahr der 10km Lauf.
Raceday
Als der Wecker am Morgen klingelte, war es noch dunkel. Das lag aber nicht an der Zeit, sondern an den dunklen Wolken und dichten Regen. Solche Bedingungen schlagen mir leider sehr aufs Gemüt und nachdem die Vortage ebenso daherkamen, war meine Laune und die Lust auf den Lauf im Keller.
Da ich aber dafür bezahlt hatte, machte ich mich trotzdem auf den Weg nach St. Gallen. Bei Schweizer Laufveranstaltungen ist oft das Swiss Runners Ticket inkludiert. Dies bietet die Möglichkeit, in der ganzen Schweiz kostenlos mit Zügen der SBB zur Veranstaltung zu reisen. Ein super Service, der an diesem Tag jedoch vom unfähigsten Unternehmen unseres Landes, der Deutschen Bahn, ausgebremst wurde. Deren Züge waren mal wieder so verspätet, dass ich den geplanten Anschluss in die Schweiz verpasste. Da man mit solchen Problemen jedoch traurigerweise rechnet, hatte ich ausreichend Zeitpuffer und kam mit der nächsten Verbindung noch rechtzeitig zum Veranstaltungsort.
Dort angekommen war das Zeitfenster so weit zusammengeschrumpft, dass ich direkt in die Arena zur Startnummernausgabe ging. Neben der Nummer gab es ein paar Werbeflyer und das Wettkampfshirt in einem Goodiebag.
Obwohl die Veranstaltung im Stadion des FC St. Gallen stattfand, waren Garderoben und Duschen nicht dort verortet, sondern im Stadion Gründenmoos, ca. 500m entfernt. Unglaublich nervig, insbesondere bei dem schlechten Wetter und meinem knappen Zeitfenster, noch solche Umwege in Kauf nehmen zu müssen. Zudem sind die Lagermöglichkeiten fürs Gepäck sehr beschränkt, was sich insbesondere nach dem 10km Lauf bemerkbar machte, als die Halbmarathon und 6km Teilnehmer auch noch hinzukamen.
Echte Motivation für den kommenden Lauf kam noch immer nicht auf, aber als ich mich kurz vor 14 Uhr zur Startaufstellung begab, hörte es zumindest auf zu Regnen und die Prognose versprach einen trockenen Lauf. Immerhin ein kleiner Lichtblick.
Auf geht’s
Der Moderator stimmte die gut 2.000 Starter des 10km Laufs gut auf das Geschehen ein und bot sogar ein angeleitetes leichtes Aufwärmprogramm. Pünktlich um 14:15 Uhr fiel der Startschuss und wir setzten uns in Bewegung.
Ich startete flott und konnte unter den ersten zehn die erste Engstelle, eine Bahnunterführung, erreichen. Hier war es ähnlich unangenehm zu laufen wie im Vorjahr, es ging steil hinunter und in einer scharfen Kurve wieder steil hinauf.
Nach gut einem Kilometer kam die „NB Hill Challenge“, ein Bergsprint von ca. 200m, für die der Veranstalter einen Sonderpreis für die Schnellsten über jede Distanz ausgibt.
Weiter führte der Weg entlag des Nordufers des Gübsensees, dann über dessen Staumauer und auf der anderen Seeseite zurück. Bis hier kam ich gut voran und nach knapp vier Kilometern war der See passiert. Es folgte ein Anstieg, der sich bis Kilometer sechseinhalb zog. Insbesondere an einer steileren Passage in der Mitte tat ich mich schwer und musste etwas Tempo rausnehmen. Die folgende bergab Passage war steil, doch ich kam flott herunter.
Die weiteren Kilometer waren sehr unspektakulär, bis der Weg erneut durch die Bahnunterführung führte. Kurz vor dem Ende folgten zwei weitere Herausforderungen: Zunächst ging es durch das Einkaufszentrum Westcenter, bei der der nasse und rutschige Boden eine echte Gefahr darstellte. Am Ende des Centers führte eine Rampe hinunter auf Straßenniveau, nur um uns dann über eine steile Stahltreppe hinauf zur Fahrbahnüberführung zu schicken. Dort war das Ende aber in Sicht, ich lief ins Stadion ein und nach einer Ehrenrunde dort erreichte ich das Ziel nach 36:31 Minuten.
Post Race beim Auffahrtslauf
Nach dem Zieleinlauf wurden die Teilnehmer wie im Vorjahr getrennt. Wer im Veranstaltungsshirt lief, durfte zur „guten“ Zielverpflegung, alle anderen erhielten nur ein Wasser. Da ich gelernt hatte, trug ich das Shirt in meinem Belt bei mir und konnte es zur Nutzung der Zielversorgung vorweisen. Im warmen Stadioninneren gab es dann eine breite Auswahl an Getränken und etwas Obst. Wirklich umgehauen hat mich das Ganze allerdings nicht.
Als ich dann erfrischt war, nahm ich den Weg zu den Duschen auf mich. Inzwischen regnete es auch wieder, also nutzte ich den Weg zum Auslaufen. Dort war es, wie oben angedeutet, inzwischen überfüllt.
Da die Vorhersage für den Rest des Tages nicht besser war, verzichtete ich darauf, den Halbmarathon und 6km Lauf zu verfolgen, sondern nutzte den nächsten Zug zurück nach Hause.
Fazit
Unterm Strich bleibt das Fazit das Gleiche, wie im Vorjahr. Der Auffahrtslauf ist ein Event für alle und bietet eine Vielzahl an Strecken. Auch der 10km Lauf ist relativ anspruchsvoll und bei Weitem kein flacher Stadtlauf.
Weiterhin eine Frechheit ist jedoch die Zweigeteilte Zielverpflegung und die Tatsache, dass es eine Medaille nur gegen kostenpflichtige Vorbestellung gibt.
Auch wenn ich meine Motivation am Ende des Tages nicht gefunden habe, hatte ich immerhin einen schönen Lauf und kann mir durchaus vorstellen, wiederzukommen.



