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Laufkultur – 100 Jahre Bauhaus Marathon

100 Jahre Bauhaus Marathon

Zum 100-jährigen Jubiläum der Gründung des BAUHAUS in Weimar fand am 28.04.2019 der 100 Jahre Bauhaus Marathon statt. Neben der sportlichen Herausforderung hatten die Teilnehmer dabei die Möglichkeiten, ihren kulturellen Horizont in den zahlreichen „Kulturauszeiten“ zu erweitern.

Vor dem Lauf

Der Lauf sollte ein einmaliges Event sein. Ausgerichtet wurde er vom SCC, dem Ausrichter bekannter Großveranstaltungen wie dem Berlin Marathon. Eine professionelle Organisation sollte damit gewährleistet sein.

Das Teilnehmerfeld wurde auf 2.500 Starter limitiert, diese konnten bei der Teilnahme zwischen Marathon, Halbmarathon und Staffelmarathon wählen. Etwa 450 Läufer nahmen die volle Distanz in Angriff, ca. 800 entschieden sich für den Halbmarathon, der Rest der Teilnehmer verteilte sich auf die 4er Staffeln.

Die Anmeldung erfolgte Online oder am Vortag bei der Startnummernausgabe als Nachmeldung.

„Expo“

Die Überschrift muss in Anführungszeichen gesetzt werden, denn eigentlich fand lediglich die Ausgabe der Startunterlagen statt. Eine klassische Messe gab es nicht. Auch das „Starterpaket“ war eigentlich kein echtes Paket, es gab lediglich die Nummer. Auf irgendwelche Zugaben wurde gänzlich verzichtet. Bei einer Startgebühr von knapp 100€ für den Marathon hätte man da schon etwas mehr erwarten dürfen.

Immerhin verlief die Ausgabe zügig und ohne große Wartezeiten, so hatten wir noch genügend Zeit, die Stadt etwas zu erkunden. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn die Innenstadt ist schön hergerichtet, es gibt unzählige Cafés und Restaurants. Auch für kulturell Interessierte Besucher wird viel geboten, so ist Weimar bekannt für Goethe und Schiller sowie viele historische Bauwerke. Auch das neu eröffnete Bauhausmuseum ist einen Besuch wert.

Raceday

Nach den tollen sommerlichen Tagen in der Vorwoche hatten wir am Lauftag leider etwas Pech mit dem Wetter. Am Morgen hatte es 5°C und nach einer verregneten Nacht war laut Vorhersage für den Tag auch nicht wirklich Besserung in Sicht. So hielt sich die Motivation, sich aufzuraffen und zum Start zu fahren eher in Grenzen.

Unsere Unterkunft lag etwas außerhalb Weimars, daher mussten wir mit dem Auto zum Eventbereich fahren. Da das Teilnehmerfeld überschaubar war und genügend öffentliche Parkplätze zur Verfügung standen, war das aber kein Problem.

Im Startbereich konnten wir unsere Wechselkleidung zur Aufbewahrung abgeben, welche dankenswerterweise auch in den Zielbereich transportiert wurde. Leider hat der Veranstalter keine Taschen für die Kleideraufbewahrung zur Verfügung gestellt und ich war froh, vorsorglich etwas dabei gehabt zu haben. Da wäre eine Info im Vorfeld hilfreich gewesen…

Das Startareal füllte sich dann zügig, mobile Toiletten war wie üblich zu wenige vorhanden und insgesamt wirkte der Platz auch etwas zu klein für alle Teilnehmer und Begleitpersonen.

Die Startaufstellung erfolgte komplett frei. Trotz fehlender Einteilung in Tempobereiche und den gemeinsamen Start aller Wettbewerbe verlief die Aufstellung relativ unproblematisch.

Der Lauf

Um 9 Uhr fiel dann der Startschuss und alle Teilnehmer machten sich auf den Weg. Das Feld zog sich relativ schnell auseinander und es zeigte sich auch, dass es viele Teilnehmer gab, für die der kulturelle Aspekt einen hohen Stellenwert hatte.

So fand ich mich schon recht früh an Rang 2 der Marathonläufer wieder und konnte mein eigenes Tempo gut laufen. Nach ca. 13km lief ich auf den bis dahin Führenden auf und wir liefen die nächsten 10km zusammen.

Kurz nach der Halbmarathonmarke gab es einen knackigen Anstieg, an dem ich mich absetzen konnte und den Rest der Strecke von da an allein bewältigen musste. Das gelang mir augenscheinlich ganz gut, am Ende erreichte ich das Ziel nach 2:50:06 als erster mit über 6 Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten.

Die Versorgung im Ziel war leider sehr minimalistisch gehalten, es gab Wasser, Tee (leider kalt, bei den Temperaturen hätte etwas Warmes gutgetan) und Bananen. Von Gels oder Iso-Getränken war weder auf der Strecke noch im Ziel etwas zu sehen. Der Tee ging für langsamere Läufer leider auch aus.

Positiv ist anzumerken, dass es Umkleidezelte sowie Duschen (mit warmen Wasser) im Ziel gab.

Die Strecke

Etwas näher möchte ich hier auf die Strecke des Bauhaus Marathon eingehen, denn der Lauf hatte durchaus viel zu bieten.

Nach dem Start ging es zunächst durch die Innenstadt Weimars, aber dann auch relativ schnell hinaus ins Umland. Landschaftlich war das sehr reizvoll und abwechslungsreich. Allerdings wurden die Teilnehmer hierbei auch sehr gefordert, denn es galt doch einige Höhenmeter zu überwinden. Am Ende hatte ich ca. 500 HM auf der Uhr stehen. Insbesondere der harte Anstieg von km 30 bis 33 hat vielen Marathonstartern sicher nochmal alles abverlangt.

Das wirklich besondere, das dieses Event so einmalig macht und von der Masse abhebt, waren die Kulturauszeiten. Dabei hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, an neun Stellen die Strecke zu verlassen und sich kulturelle Güter sowie thematische Führungen und szenische Darstellungen anzuschauen.

Die Zeit für diese Pausen wurde durch den Einsatz von Zeitmessmatten aus der Nettolaufzeit herausgerechnet, sodass kein Nachteil für längere Pausen entstand.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich es vorzog, durchzulaufen. Aber von meinen Reisebegleitern und anderen Teilnehmern hörte ich, dass es durchaus interessant gewesen wäre, einige Pausen einzulegen.

Fazit

Die Idee hinter dem 100 Jahre Bauhaus Marathon ist durchaus lobenswert. Allerdings muss ich sagen, dass die Orga an einigen Stellen echt geschwächelt hat, obwohl ein erfahrener Veranstalter hinter dem Event stand. So fehlte eine Messe (auf der man ja auch auf die Kulturauzeiten hätte eingehen können), es gab kein Startpaket, die Startaufstellung wirkte ungeordnet, die Versorgung auf der Strecke und im Ziel ließ zu wünschen übrig (lediglich Wasser, Tee, Bananen, wobei der Tee bei den langsameren Läufern bereits aus war) und für die ambitionierten Läufer Schade, dass komplett auf eine Siegerehrung verzichtet wurde. Für den Preis, der für den Start fällig wurde, hätte man an vielen Stellen mehr erwarten dürfen.

Positiv bleiben immerhin die tolle Strecke, die schöne Medaille und die Besonderheit der Kulturauszeiten in Erinnerung.

 

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