World wide running by Enrico

Eine harte Nuss… Der EcoTrail Paris 80k

EcoTrail Paris – Saisonstart über 80km

Die Corona Pandemie hat die Welt weiter fest im Griff. Da sich die Lage über den Winter stark verschärft hatte, waren Laufevents seither nur auf Ebene des Profisports möglich. Doch nachdem die Zahlen der Erkrankungen seit einigen Wochen mehr und mehr zurückgehen, sind nun auch wieder vermehrt Laufevents auf Breitensportebene möglich. Für mich begann die Saison am 03.07.2021 beim EcoTrail Paris, bei dem ich dann auch gleich über die Langstrecke von 80km an den Start ging.

Die Vorbereitung

Der letzte Lauf mit Eventcharakter liegt mehr als ein halbes Jahr zurück. Seitdem versuche ich mit regelmäßigem Laufen und Radfahren meine Motivation auch ohne den Ansporn von Veranstaltungen aufrecht zu erhalten. Bisher hat das auch hervorragend geklappt.

Seit dem 02.02.21 lebe ich inzwischen in Paris. Da fiel es mir natürlich insbesondere in den ersten Wochen leicht, am Ball zu bleiben. Es gab viele neue Routen zu erkunden. Doch auch nachdem sich eine gewisse Routine entwickelt hat, finde ich immer wieder neue Ideen und Inspirationen, um die Motivation aufrechtzuerhalten.
So bin ich auf der Suche nach neuen Laufstrecken eines Tages auf der Website des EcoTrail Paris gelandet. Die Wettkampfstrecken über 10k bis 80k konnte man sich direkt als .gpx Daten herunterladen und so stand zeitnahen Testläufen auch nichts im Wege.
Zusätzlich fand ich auf der Seite die Info, dass die Veranstaltung in diesem Jahr Corona bedingt von März auf Juli verschoben wurde und eine Austragung am 03.07.2021 fest geplant war. Die Chance, endlich mal wieder an einem Event teilzunehmen, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Daher meldete ich mich für die Teilnahme über die 80k an.

Expo

Die Startnummernausgabe des EcoTrail Paris fand auf der Expo in den Räumlichkeiten des Gymnase Fédération nahe des Eiffelturm statt. Am Donnerstag und Freitag vor dem Lauf waren die Türen hier geöffnet. Als ich am frühen Freitag Nachmittag dort aufschlug, war fast nichts los und so hatte ich meine Unterlagen nach wenigen Minuten in den Händen.
Ein Stand des Hauptsponsors Salomon sowie ein paar weitere kleine Stände von Sponsoren und Partner rundeten das Angebot ab.

Die Strecke des EcoTrail Paris

Der Startort der 80k befindet sich etwas außerhalb von Paris, am Étang de Saint-Quentin. Dieser ist mit dem RER C leicht aus Paris zu erreichen.

Nach einer flachen Runde um den See führt die Strecke zunächst in den Foret nationale de Versaille weiter in den Foret domaniale de Meudon, den Bois de Fausses Reposses und in die Domaine national de Saint Cloud. in den Wäldern geht es hauptsächlich auf unterschiedlichen Wald- und Forstwegen bis hin zu schmalen Single Trails ständig auf und ab, sodass am Ende stolze 1.300 Höhenmeter (Veranstalterangabe 1.500) auf der Uhr standen. Nachdem man Saint Cloud verlassen hat, geht dann relativ flach weiter, immer entlang der Seine. Das Ziel befand sich in diesem Jahr auf der Pont d’Iena direkt vor dem Eiffelturm. In den Vorjahren war das Ziel die erste Etage des Turms, doch aufgrund von Restaurierungsarbeiten war das in diesem Jahr leider nicht möglich.

Die Strecke des EcoTrail hat es durchaus in sich, das ständige auf und ab machte sich mit der Zeit wirklich bemerkbar. Auch die Wetterverhältnisse taten ihr Übriges, der Regen in den Vortagen sorgte für viele tiefe und weiche Passagen mit großen Pfützen auf den Wegen.

Auch die anderen Distanzen haben bei diesem Event sicher ihren Reiz, so startet die 45k Variante im Schlosspark Versaille und die 30k Variante im Parc de l’Observatoire Paris.

Raceday

Die Hauptläufe des EcoTrail Paris fanden allesamt am Samstag, 03.07.2021 statt. Der Startschuss zum 80km Bewerb sollte um 10:15 Uhr fallen. Für mich hieß das, gegen 07:45 Uhr mit dem RER nach Saint-Quentin en Yvelines fahren. Von der dortigen RER Station verkehrten Shuttle Busse zum Veranstaltungsgelände Ile de Loisirs de Saint-Quentin-en-Yvelines.

Das Startgelände war weitläufig, es gab ausreichend sanitäre Einrichtungen und die Möglichkeit, sich vor dem Lauf nochmal zu versorgen und die Wasservorräte aufzufüllen. Die Veranstaltung wird als halbautonomer Wettkampf ausgerichtet, d.h. die Läufer müssen sich über weite Teile der Strecke selbst versorgen. Es gab lediglich drei Versorgungsstationen sowie zwei zusätzliche Wasserstationen, an denen man seine Vorräte füllen konnte.

Aufgrund der Corona Schutzmaßnahmen wurden die Starts gestaffelt. So wurden jeweils 250 Läufer in den Startkorridor gelassen und gemeinsam auf die Reise geschickt. Die nächste Gruppe war dann mit ein paar Minuten Sicherheitsabstand an der Reihe.

Leider muss ich gestehen, dass mir bereits kurz nach dem Start klar wurde, dass es ein harter Tag für mich werden würde. Nach wenigen Kilometern bemerkte ich, dass die Beine schwer wurden und ich fand nie richtig in einen Rhythmus. Trotz Drosselung des Tempos stellte sich da wenig Besserung ein. Woran das genau lag, weiß ich nicht, vermute aber, dass die mangelnde Erfahrung an Läufen mit dem Gewicht des Rucksacks damit zu tun hatten.
Nachdem es nach flachen 10km weg vom See und rein in den Wald ging, wurde das Gelände gleich viel spannender, es ging auf Waldwegen und Trails auf und ab. Da sich das Feld schon gut auseinander gezogen hatte, war ich oft einsam unterwegs. Bei km 24 erreichte ich schließlich die erste vollwertige Versorgungsstation. Die Organisation hier war super, es gab die Möglichkeit, die Vorräte aufzustocken und sich vor Ort zu versorgen. Nach ca. 5 Minuten Pause ging es weiter, erneut einsam in die Wälder.

Leider besserte sich mein körperlicher Zustand nach der Pause nur kurzzeitig. Die schweren Beine führten dazu, dass ich bereits früh an Anstiegen vom Laufen zum Gehen wechseln musste. Dazu kam ab einem gewissen Punkt auch Seitenstechen (vermutlich auch durch eine zu enge Trageweise des Rucksacks), was es anschließend unglaublich schwer machte, wieder ins Laufen zu kommen.

Als ich ca. 50km hinter mir hatte, erreichte ich das Observatoire de Paris, den Startpunkt des 30km Events. Leider war mein Timing so ungünstig, dass ich dort ca. 2 Minuten vor deren Start vorbei kam.  Das hatte zur Folge, dass ich auf den folgenden Kilometern zunächst von der Elite, später auch vom breiten Feld dieses Bewerbs überholt wurde oder es doch zumindest um mich herum hatte. Das machte das Laufen auf den teils engen Wegen nicht grad leichter und es war vorbei mit der Ruhe und Einsamkeit…
Etwa fünf Kilometer später teilte sich die Strecke der verschiedenen Distanzen wieder und wir nahmen einen Umweg über den zweiten vollwertigen Versorgungspunkt. Auch hier war alles Top Organisiert und ich gönnte mir weitere 5 Minuten Ruhe.

Erneut fiel mir das Anlaufen nach der Pause schwer. Da aber inzwischen knapp 55k hinter mir lagen, war das Ziel nun in greifbarer Nähe. Das gab mir etwas Zuversicht und Motivation. Im Wechsel von Laufen und Gehen ging es also weiter in die Domaine nationale Saint Cloud, wo nach dem letzten nennenswerten Anstieg bei km 65 auch der letzte Versorgungspunkt auf mich wartete. Nach einer letzten kurzen Pause ging es dann zunächst ein paar Kilometer abwärts. Letztendlich kam ich auf dem Fuß- und Radweg an der Seine an, auf dem es endlich wieder flach wurde. Von hier waren noch ca. sieben Kilometer zu bewältigen. Trotz schwerer Beine und Seitenstechen konnte ich hier zum Großteil wieder locker laufen.
Als der Eiffelturm dann endlich im Sichtfeld auftauchte, war ich unglaublich glücklich, aber auch echt fertig. Ich freute mich einfach nur, endlich auf die Pont d’Iena abbiegen und durch den Zielbogen zu laufen.

Post Race

Unmittelbar nach dem Zieleinlauf wurden die Läufer der 80k von denen der 30k getrennt, denn nur die Teilnehmer an der langen Distanz erhielten eine Medaille und einen kleinen Versorgungsbeutel. Die allgemeine Zielversorgung war insgesamt wieder gut und orientierte sich an dem, was es auch unterwegs schon gab. Ebenso standen auf der Brücke die LKW, die die Kleiderbeutel vom Start zum Ziel transportierten. Die Ausgabe verlief zügig und problemlos.

Fazit

Der EcoTrail Paris ist ein tolles Event, bietet verschiedene Streckenlängen (von 10k bis 80k) und ist insgesamt super organisiert. Die Strecken sind interessant und anspruchsvoll, aber machen auch sehr viel Spaß.
Als dicken Kritikpunkt muss ich an dieser Stelle aber anbringen, dass es (im Gegensatz zu den Vorjahren) kein Finishershirt gab. Auch Medaillen nur für die 80k Finisher vorgesehen waren. Auch auf Goodies zur Startnummernausgabe wurde komplett verzichtet. Bei der Höhe der Startgebühr (ca. 100€ für die 80k) kann man da durchaus etwas mehr erwarten.

 

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