World wide running by Enrico

Ein ständiges auf und ab… Der Imperial Trail Fontainebleau

Imperial Trail Fontainebleau

Auf der Webseite des Imperial Trail Fontainebleau schreibt der Veranstalter über seinen Lauf: „Es handelt sich um einen Naturlauf, der zum großen Teil über die „blauen Wege“ und die Fernwanderwege von Fontainebleau führt, aber auch über technisch anspruchsvollere Singletrails (Wurzeln, Sand und Felsen). Die Strecke ist eine 63 km lange Runde mit ca. 1420 positiven Höhenmetern.“
Klingt interessant, melde ich mich an, habe ich mir gedacht…

Die Anmeldung für den Imperial Trail war online schnell erledigt. Wie in Frankreich üblich, wurde auch für dieses Event ein ärztliches Attest über die Teilnahmefähigkeit verlangt. Praktischerweise konnte man das bei der Anmeldung gleich mit hochladen.
Neben der Langstrecke (63km, 1.400HM), die den Eventnamen „Imperial Trail“ trägt, finden am gleichen Tag noch Läufe über weitere Distanzen (Marath’bleau, 43km; Trophée Philippe Mahut, 25km; L’Impératrice, 12km und der Kinderlauf Le Km Infernal Run Green über 1km) statt. Alle Strecken (außer der Kinderlauf) führen über die Wanderwege und Singletrails des Waldes.

Vor dem Lauf

Da der Imperial Trail am Samstag, 11.09.21 stattfand und der Startschuss zur Langstrecke bereits um 8 Uhr fallen sollte, beschloss ich, schon am Freitag nach Fontainebleau zu reisen und im Hotel zu Übernachten. Die Zuganbindung von Paris war super und ein Hotel im Ortskern war auch relativ günstig zu haben.
Nach dem Check in im Hotel beschloss ich, die Startunterlagen noch am Freitag am Veranstaltungsgelände abzuholen.
Dabei stieß ich auch schon auf den größten Kritikpunkt der Veranstaltung. Das Veranstaltungsgelände befand sich ca. 3km außerhalb des Orts am „Grand Parquet“. Unverständlicherweise verzichtete der Veranstalter auf den Einsatz von Shuttlebussen vom Ortskern zum Veranstaltungsort. So waren die Teilnehmer entweder auf ein Fahrzeug angewiesen, oder mussten den Weg zu Fuß auf sich nehmen, denn auch an den ÖPNV war das Grand Parquet nicht angebunden.

Ich machte mich also auf den ca. 40 minütigen Fußmarsch, der zu allem Übel auch noch direkt an einer Hauptstraße entlang führte. Als ich dann am Grand Parquet ankam, war die Lage zunächst unübersichtlich, eine Beschilderung fehlte und das Areal war sehr weitläufig. Glücklicherweise kam zufällig ein Fahrzeug des Veranstalters vorbei, von dessen Insassen ich Auskunft über den weiteren Weg bekam. Als ich das Ziel dann erreicht hatte, war abgesehen von der Ausgabe der Nummer (und einem Shirt) noch nichts los und die Aufbauarbeiten noch im vollen Gange. Immerhin klappte die Ausgabe schnell und reibungslos und ich konnte mich auch kurze Zeit später wieder auf den Rückweg machen.

Raceday

Am Samstag war die Nacht um 05:30 Uhr vorbei. Nach zwei Kaffee und packen der letzten Dinge für den Lauf machte ich mich gegen 06:30 Uhr erneut zu Fuß auf den Weg zum Eventgelände. Als ich kurz nach 7 Uhr ankam, war schon einiges los, der Parkplatz füllte sich und auch die vielen Helfer waren schon am Werk.

Ich hinterlegte meinen Kleiderbeutel beim Concierge Service und beobachtete das Treiben auf dem Gelände, bis kurz vor dem Start. Der Startschuss für die lange Strecke sollte um 8 Uhr fallen (die anderen Distanzen starteten zeitversetzt später). Nachdem der Moderator noch letzte Hinweise gab und die Stimmung anheizte, ging es auch relativ pünktlich los, ca. 260 Läufer machten sich auf den Weg.

Die Strecke des Imperial Trail (63km)

Mit der Streckenbeschreibung auf der Webseite des Imperial Trail wurde nicht zu viel versprochen. Nach dem Start auf sandigen Untergrund ging es relativ zügig auf einen Singletrail, der den ersten Anstieg nach oben führte. Es ging über Wurzeln und Steine, ließ sich aber insgesamt noch gut laufen. Der „Gipfel“ war nach ca. 3km erreicht und es ging auch sofort wieder nach unten, ebenfalls auf einem Singletrail. Auf diese Weise ging es die nächsten Kilometer weiter, ein ständiges auf und ab auf meist schmalen Pfaden, die zum Teil auch etwas Geschick erforderten. Gelegentlich ging es aber auch zurück auf breite Wald- und Forstwege, auf denen man einen guten Laufrhythmus finden konnte. Für Abwechslung war also gesorgt.

Am VP bei km 20 wurden die Teilnehmer der Langstrecke auf eine 20km lange extra Schleife geschickt, während die Marathonläufer sich direkt auf den Rückweg zum Ziel machen durften. Wir kamen am selben VP nach 40km erneut vorbei und durften dann den gleichen Rückweg einschlagen, wie die Marathonläufer.

Zusätzlich zu diesem VP gab es alle 10km weitere VPs, an denen allerdings lediglich Getränke angeboten wurden. Es war daher durchaus sinnvoll, der Empfehlung des Veranstalters zu folgen und zumindest eine Notration an Eigenverpflegung dabei zu haben.

Die Strecke war durchgehend mit roten Flatterbändern an Bäumen oder Steinen markiert. Einige von denen waren allerdings etwas schwer zu erkennen oder zu finden. Zusätzlich zu diesen Markierungen waren in unregelmäßigen Abständen Helfer unterwegs, die Tipps zum Streckenverlauf gaben.

Mein Lauf

Ich hatte keine Ahnung, wie ich auf den Trails zurechtkommen würde und hielt mich am Start daher etwas zurück. Das führte dazu, dass ich am ersten Anstieg am Ende einer Reihe von Läufern lief und keine Möglichkeit hatte, vorbeizukommen, obwohl ich gern etwas schneller gelaufen wäre. So versuchte ich, einfach mitzulaufen und wenn immer möglich, einen Läufer zu passieren. Erfahrungsgemäß tue ich mich aufwärts leichter, als bergab. Das zeigte sich auch beim ersten Downhill Part, bei dem ich den Anschluss an meinen Vordermann verlor. Als es dann zum ersten Mal auf einen breiteren Weg ging, sortierte sich das Feld aber zügig und jeder konnte endlich sein eigenes Tempo laufen. Das war dann auch mein Plan für den Rest des Tages. Ich wollte grundsätzlich mein Wohlfühltempo laufen, ohne mich von anderen Läufern pushen oder bremsen zu lassen.

Ab Kilometer 15 hatte sich das Feld soweit auseinandergezogen, dass ich relativ allein unterwegs war. Das führte an einigen wenigen Stellen allerdings dazu, dass ich mehr mit der Orientierung beschäftigt war, da einige Bänder weit auseinander oder schwer auszumachen waren. Das negative Highlight war, dass ich eine Abzweigung verpasste. Nach einigen hundert Metern bemerkte ich meinen Irrtum, drehte um und fand auch wieder auf den richtigen Weg. Das hat ganz klar meine Achtsamkeit geschärft und dafür gesorgt, im weiteren Verlauf noch genauer auf die Markierungen zu achten.

Die nächsten Kilometer verliefen relativ unspektakulär, die 20km Extraschleife für die Langstrecke war weniger Abwechslungsreich, als der Beginn des Laufs. So wurde es für mich erst wieder interessant, als ich bei Kilometer 40 zum zweiten Mal am großen VP vorbei kam. Hier waren inzwischen auch die Marathonläufer (ca. 380 Teilnehmer) unterwegs. Die Tatsache, wieder Läufer zu sehen, spornte mein Ego an und führte dazu, dass ich versuchte, die Läufer in Sichtweite einzuholen und zu passieren. Das klappte auch erstaunlich gut und gab Motivation für das letzte Drittel des Laufs.

Eine letzte harte Prüfung hatte der Lauf auf den letzten zwei Kilometern parat. Es ging nochmal auf einen fiesen Singletrail, über große Steine steil auf und ab und auch die Orientierung verlangte nochmal volle Konzentration. Doch nachdem diese Prüfung gemeistert war, führten die letzten ca. 400m wieder auf ebenen Sandboden ins Ziel. Das erreichte ich nach 5:57h als zehnter Teilnehmer der Gesamtwertung.

Post Race

Im Ziel gab es dann sogleich die Medaille (schön, aber leider für alle Distanzen die gleiche) und ein Abwechslungsreiches Getränkeangebot. Aus dem Zielkanal heraus ging es wieder aufs Veranstaltungsgelände. Ich holte meine Tasche und zog mich um (Duschen waren auch vorhanden). Für alle Teilnehmer gab es ein kleines Menü als Zielverpflegung. Die Idee war gut und auch die Tatsache, dass es eine vegetarische Option gab, ist positiv anzumerken. Geschmacklich hat es mich jetzt nicht überzeugt, aber da kann man es ja vermutlich nie jedem Recht machen. Die Grundidee halte ich insgesamt für gut.

Das Event wurde die gesamte Zeit von einem Moderator unterhalten und auch eine Siegerehrung wurde auf der großen Bühne durchgeführt. Insgesamt war das Rahmenprogramm am Veranstaltungstag gut, aber da ich ja noch einen langen Heimweg vor mir hatte, machte ich mich auch auf den Weg, nachdem ich versorgt und etwas erholt war.

Fazit zum Imperial Trail

Insgesamt ist der Imperial Trail Fontainebleau ein tolles Event. Die Strecke ist super Abwechslungsreich, sehenswert und lässt sich tolle Laufen. Auch die Tatsache, dass es verschiedene Distanzen, von 12km – 63km gibt, führt dazu, dass eigentlich für jeden was dabei ist.
Die Stimmung und das Programm am Veranstaltungstag waren toll und in diesem Bereich auch die Orga super. Die Versorgung auf der Strecke und im Ziel ist gut und die vielen Helfer waren alle mit Engagement dabei.
Negativ und als großer Kritikpunkt bleibt für mich aber die Tatsache hängen, dass es keine Transportmöglichkeit aus der Stadt zum Veranstaltungsgelände gibt. Das können andere besser und vielleicht kann der Veranstalter an diesem Punkt in Zukunft was machen.

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