World wide running by Enrico

Paris Marathon 2021 (#47) – Laufen in „der schönsten Stadt der Welt“?

Paris Marathon 2021

„Laufen in der schönsten Stadt der Welt“ verspricht der Veranstalter des Paris Marathon auf seiner Website. Über die Auszeichnung der schönsten Stadt der Welt lässt sich streiten. Doch der Marathon führt immerhin durch einige der schönsten und sehenswertesten Abschnitte von Paris. Auch das Wetter zeigte sich in der 2021er Ausgabe von seiner besten Seite.

Nachdem der Paris Marathon im Jahr 2020 Corona bedingt abgesagt werden musste und auch in diesem Jahr nicht zum regulären Termin im April stattfinden konnte, war es am 17.10. dann doch endlich soweit und der Veranstalter konnte knapp 28.000 Teilnehmer auf die 42,2km durch die französische Hauptstadt schicken.

Als ich im Februar dieses Jahres nach Paris zog, war bereits klar, dass der Lauf nicht wie geplant im April stattfinden wird. Ich gab die Hoffnung aber nicht auf, dass es die Möglichkeit geben wird, den Lauf später im Jahr nachzuholen. Nachdem dann ab Sommer erste Events stattfinden konnten, war ich zuversichtlich, dass der neue Termin am 17.10.2021 gehalten werden konnte. So kam es dann glücklicherweise auch.

Vor dem Lauf

Als der neue Termin für den Paris Marathon bekanntgegeben wurde, nutzte ich auch sogleich die Gelegenheit zur Onlineanmeldung.
Ein paar Wochen vor dem Termin erhielt ich dann eine Mail mit wichtigen Infos. Darin befand sich unter anderem auch die Zuweisung der Startnummer. Ebenso wurden in diesem Zeitraum weitere Informationen zum Event und zum Rahmenprogramm (Expo u.a.) veröffentlicht.

Die Expo fand, beginnend am Donnerstag, für drei Tage in einer Halle der Paris Expo Porte de Versailles statt. Für mich war die Location praktischerweise direkt mit der Metro zu erreichen, weshalb ich mich auch gleich am ersten Ausstellungstag nach der Arbeit auf den Weg machte. Das war vermutlich die richtige Wahl, denn auf Fotos war zu sehen, dass in den folgenden Tagen ein wesentlich größerer Besucherandrang herrschte. Ich musste also weder beim Check In (Pass Sanitaire) noch bei der Ausgabe der Startnummer lang anstehen. Als Zugabe erhielten alle Teilnehmer einen kleinen Rucksack mit Branding der Veranstaltung.

Die Messe war ansonsten gut aufgestellt, viele Hersteller priesen ihre Produkte an und gaben interessierten Besuchern die Möglichkeit, Produkte zu testen (insbesondere Schuhe). Leider hielten sich die Aussteller aber auch hier mit Sonderangeboten zurück, was am Ende vermutlich auch gut fürs Budget war.

Mit großen interesse informierte ich mich am Ende der Messe über zukünftige Events. So werde ich vermutlich am 28.11.21 beim Marathon in La Rochelle am Start sein. Und ich würde in naher Zukunft gern auch den Grand Raid de La Reunion in Angriff nehmen….

Raceday des Paris Marathon

Der Wettkampftag des Paris Marathon begann für mich ähnlich wie bei den letzten Events hier. Gegen 6 Uhr klingelte der Wecker, Kaffee, Frühstück, mit der Welt klar kommen und die letzten Sachen zusammenpacken.
Am Morgen war es echt kalt, aber die Vorhersage versprach ideale Wettkampfbedingungen mit Sonne, kaum Wind und Temperaturen um die 12 – 15 Grad.

Der Weg zum Start wäre zu Fuß gut möglich gewesen. Da sich die Gepäckaufbewahrung aber nochmal ca. 1,5km weiter entfernt am Zielbereich befand, nahm ich dann doch lieber die Metro dorthin.

Aufgrund der Größe des Events war das Areal sehr weitläufig, aber dennoch übersichtlich aufgebaut. So hatte ich meinen Kleiderbeutel gegen 8 Uhr abgegeben und machte mich, warmgehalten mit einer Rettungsdecke, auf den Weg zum Startbereich. Gegen 8:30 Uhr hatte ich meinen Startblock erreicht und beobachtete das Treiben hier. Langsam füllte sich der Block, Läufer wärmten sich auf und die Moderatoren des Events waren auch erwacht und versuchten, die Leute zu unterhalten. Das klappte aber nur mäßig, entweder waren die Lautsprecher falsch ausgerichtet oder einfach nur schlecht. Aber verglichen mit der Stimmung in Berlin drei Wochen zuvor, war das in Paris ein Armutszeugnis.

Die Vorstellung der Elite Läuferinnen erfolgte kurz vor deren Start um 8:55 Uhr. 15 Minuten später ging es für die Elite Herren los. Der Veranstalter hat diesen Abstand an Hand der PBs gewählt und wollte, dass Siegerin und Sieger möglichst zeitgleich das Ziel erreichen. Das hat leider nicht geklappt, da die Zeiten der Damen hinter den PBs zurückblieben. Selbstverständliche wurden auch die Favoriten der Herren kurz vor deren Start vorgestellt und nachdem sie sich 9:10 Uhr auf den Weg machten, gehörte die Bühne den Freizeitsportlern.

Um das Feld zu entzerren, setzten die Verantwortlichen erneut auf ein breites Band an Startzeiten. Der letzte Startschuss fiel gegen 11:42 Uhr.

Mein Paris Marathon

Für mich ging es  der ersten großen Gruppe nach dem Elitefeld um 9:11 Uhr los. Eindrucksvoll ging es auf der Avenue des Champs-Elysees hinunter zum Place de la Concorde und im Vergleich zu Berlin vor drei Wochen fühlten sich meine Beine vom Start weg wesentlich besser an. Der Kurs führte vorbei an der Opera Paris und anschließend auf die Rue de Rivoli, wo auch schon die 5km Marke passiert wurde. Ein Blick auf die Uhr sagte mir hier, dass ich ziemlich flott unterwegs war, aber da ich mich ganz gut fühlte, wollte ich im gleichen Rhythmus weiter laufen. Hier war ich auch noch von vielen Läufern umgeben und in einer Gruppe kommt man ja meist besser voran.

Wir passierten eines der Stimmungsnester an der Bastille und erreichten nach 10 Kilometern den Bois de Vincennes. Hier ging es quasi entgegen der Laufrichtung des Halbmarathons für ca. 10km durch den Park, vorbei am Chateau de Vincennes und am Hippodrom.

Als wir den Park verlassen hatten, waren schon 20km geschafft und die Halbmarathonmarke war in Sichtweite. Zusätzlich erkannte ich hier auch noch einen alten Bekannten, Luis aus Mexiko, der inzwischen in Deutschland lebt und den ich schon vor drei Wochen in Berlin getroffen hatte. Offensichtlich hatte ich einen guten Tag und lief auf ihn auf, wir begrüßten uns kurz und gaben uns gegenseitig ein paar motivierende Worte mit auf die zweite Hälfte des Kurses.

Dieser führt dann erneut am Stimmungsnest an der Bastille vorbei, bevor wir nach ca. 24km die Seine erreichten und dem Ufer für knapp 9 Kilometer folgten. Dabei wurden weitere Highlights wie die Cathédrale Notre-Dame de Paris, der Louvre, Musee d’Orsey und der Eiffelturm passiert. Auf diesem Abschnitt zog sich das Feld dann auch weiter auseinander, ich versuchte immer wieder, den Windschatten anderer Läufer zu finden und passierte dabei auch den ein oder anderen Teilnehmer.

Wir verließen das Seine Ufer nach 32,5km, bogen nach rechts ab und erreichten 1,5km später den Bois de Boulogne, durch den die letzten 8km der Strecke führten. Bis Kilometer 39 lief es bei mir insgesamt super, doch so langsam sehnte ich das Ende herbei. Hinzu kam, dass der Park nicht ganz eben ist und die leichten Steigungen sich am Ende doch wie Berge anfühlten. Ich versuchte dennoch, mit der kleinen Gruppe, in der ich mich befand mitzuhalten und nach 41km ging es endlich auf die Zielgerade. Noch ein kleiner Bogen am Kreisverkehr des Port Dauphine und dann die grandiose Stimmung auf den letzten Metern zum Ziel auf der Avenue Foch genießen. Nach 2:43:31 überquerte ich die Ziellinie.

Nach dem Lauf

Unmittelbar nach Überquerung der Ziellinie wurde uns dann auch gleich Wasser gereicht und es gab neben Medaille und Finishershirt auch eine ganz passable Zielverpflegung. Diese bestand aus Gebäck, Obst und anderen kleinen Snacks und bot eine gute Auswahl. Ein großes Plus dieser Veranstaltung war, dass Wasser hier in Flaschen serviert wird.

Auch auf der Strecke gab es in meinen Augen ausreichend Versorgungsstellen. Neben Wasser (auch hier in kleinen Flaschen) hielten einige auch feste Nahrung wie Gebäck und zuckerhaltige Snacks bereit.

Nachdem ich mich versorgt hatte, holte ich meinen Kleiderbeutel ab (für die Ankunft macht die Lage der Gepäckaufbewahrung dann immerhin Sinn) und zog mich um. Ich wollte im Ziel gern noch auf Luis warten, mit dem ich mich etwas unterhalten konnte. Nachdem die letzten Erinnerungsfotos am Arc de Triomphe geschossen waren, machte ich mich auf den Heimweg…

Fazit zum Paris Marathon

Der Paris Marathon ist ein super Lauf. Die Einschätzung des Veranstalters, dass man sich in der schönsten Stadt der Welt befindet teile ich nicht. Dennoch bietet die Strecke durchaus sehenswerte Abschnitte. Auch die Stimmung ist super, insbesondere an der Bastille und auf der Zielgeraden war richtig was los. Doch auch der Rest der Strecke braucht sich nicht zu verstecken.
Die Organisation insgesamt kann sich sehen lassen. Drei Messetage, weitläufiges Gelände für Start und Ziel und die Versorgung sind gute Gründe, diesen Lauf weiter zu empfehlen.

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