World wide running by Enrico

Der schönste Marathon der Welt… – Jungfrau Marathon 2019 (#38)

Jungfrau Marathon

Die Website des Jungfrau Marathon wirbt vielversprechend. Der Slogan „Der schönste Marathon der Welt“ steckt die Erwartungen hoch. Die Tatsache, dass der Lauf jedes Jahr innerhalb weniger Stunden ausverkauft ist spricht dafür, dass etwas dran sein könnte. 1.850 Höhenmeter auf einen Marathon klingen zudem nach einer Herausforderung. So machte ich mich auf den Weg, selbst herauszufinden, was diesen Lauf so beliebt macht und ob er die Erwartungen erfüllen kann…

Die Anmeldung wird traditionell am 14.02. geöffnet und dann heißt es schnell sein. In der Regel dauert es nicht lang, bis das Teilnehmerlimit von 4.000 Läufern über die Marathondistanz erreicht ist. Immerhin bietet der Veranstalter die Möglichkeit, den Startplatz gegen Gebühr umzuschreiben. So besteht immer noch die kleine Chance, einen Platz von einem Athleten zu ergattern, der kurzfristig nicht teilnehmen kann.

Vor dem Lauf

Der Marathon findet am Samstag statt, daher machte ich mich am Freitag auf den Weg in die Schweiz. Gegen 14 Uhr erreichte ich Interlaken, den Startort des Jungfrau Marathon. Hier gab es im Startbereich ein kleines Marathon Dorf mit verschiedenen Ausstellern und der Ausgabe der Startunterlagen. Für die Abholung der Unterlagen ist es erforderlich, eine ID mitzuführen.
Ansonsten war die „Messe“ eher unspektakulär, einige Veranstalter und Sportartikel waren vertreten, große Highlights blieben von der Seite aus.

Aber dafür konnte der Veranstalter mit einem umfangreichen Programm aufwarten. Im Laufe des Nachmittags/Abends fanden diverse Nebenveranstaltungen statt. Darunter ein Handbike Wettbewerb, verschiedene Kinderläufe und ein 1/10 Marathon. Alle Events waren gut besucht und es herrschte eine tolle Stimmung auf dem Gelände. Hier fühlt man sich wohl.

Lauftag

Der Blick aus dem Fenster bestätigte, was der Wetterbericht vorhergesagt hat. Es war trüb und wolkig und auch die Temperaturen lagen unter dem Bereich, in dem ich mich wohlfühle. Davon wollte ich mir die Stimmung aber nicht vermiesen lassen und so machte ich mich nach dem Frühstück zu Fuß auf den Weg zum Startbereich, ca. 3km von meinem Hotel entfernt.

Das Gelände war übersichtlich und strukturiert aufgebaut. Man hatte noch am Morgen die Gelegenheit, die Startunterlagen abzuholen. Im Zelt hatte man zudem die Möglichkeit, Wertsachen gesondert zum Ziel transportieren zu lassen, eine gute Sache, da mit den Gepäckstücken oft nicht sehr umsichtig umgegangen wird. Zum Ziel wurde zudem ein Kleidersack transportiert, warme Wechselkleidung war empfohlen, da oben mit Temperaturen um 2-3 Grad zu rechnen war.

Gut finde ich die Option, größere Gepäckstücke zur Verwahrung im Zelt aufbewahren zu lassen. Das ist ideal für alle, die nur zum Lauf anreisen, bzw. nach dem Lauf abreisen und früh aus dem Hotel rausmüssen. Toller Service vom Veranstalter, an dem sich andere gern ein Beispiel nehmen dürften.

Nachdem ich alle Vorbereitungen getroffen hatte, begab ich mich zum Startbereich und wartete mit ca. 4.000 anderen auf den Startschuss zum Jungfrau Marathon 2019.

Die Strecke

Der Jungfrau Marathon hat es durchaus in sich. Insgesamt gilt es über 1.800 Höhenmeter zu bewältigen, wobei sich der Großteil auf das letzte Streckendrittel verteilt (siehe Höhenprofil).

Vom Start geht es eine Runde durch Interlaken, weiter nach Bönigen zum Brienzersee und dann durch mehrere kleine Ortschaften bis zum ersten Highlight, nach Lauterbrunnen. Hier herrschte ausgelassene Stimmung und die Läufer wurden euphorisch empfangen. Die Ortschaft ist sehr sehenswert und auch die umliegende Landschaft ist definitiv einen Besuch wert. Nach einer kleinen Schleife durch das Tal geht es nach 25km auf den ersten richtig heftigen Anstieg. Dieser zieht sich über 5km auf einen unbefestigten Wanderweg bis zur Ortschaft Wengen nach oben.

Zur Belohnung werden die Läufer stimmungsvoll im Ort empfangen. Das muss dann auch als Motivation für die weiteren Anstiege taugen. Kurz nach der Ortschaft geht es weiter mal mehr oder weniger steil bergauf, bis bei km 38 die Abzweigung Wixi erreicht wird. Hier wird es nochmal richtig hart, 2km zieht sich ein Trail steil nach oben zum höchsten Punkt der Strecke (2320m), bevor es dann auf die letzten 2km leicht abwärts ins Ziel geht.

Die Strecke ist wirklich hart, belohnt aber grundsätzlich mit tollen Landschaften und grandioser Aussicht vom Berg. Leider hat das Wetter in diesem Jahr nicht mitgespielt und so konnte man eigentlich fast immer nur Wolken und Nebelfelder sehen. Auch der leichte Nieselregen auf dem Berg sorgte für eine zusätzliche Herausforderung, denn der Boden wurde dadurch sehr rutschig und schwierig zu laufen.

Mein Lauf

Die Vorbereitung auf den Jungfrau Marathon lief für mich leider nicht optimal. Durch meine Verletzung fehlten mir viele Trainingskilometer und dies sollte sich im Laufe der Strecke durchaus bemerkbar machen.

Die ersten 10km verliefen relativ flach und da ich mich ganz gut fühlte, kam ich dabei auch gut voran. Dann folgten die ersten Anstiege und in Lauterbrunnen bei Kilometer 20 machten sich die Beine schon etwas bemerkbar. Daher war ich dankbar, dass darauf 5 flache Kilometer durchs Tal folgten. Danach war jedoch die Luft raus, der erste harte Anstieg bis nach Wengen war so brutal, dass ich die meiste Zeit gehen musste. Glücklicherweise stellte ich fest, dass es vielen anderen auch so erging. Nach der kurzen Erholung in Wengen ging es weiter aufwärts. Ab da war es für mich ein echter Kampf, ich kam in einem Mix aus Laufen und Gehen (je nach Steigungsgrad) eher langsam voran.

Der Singletrail ab der Abzweigung Wixi tat ebenfalls weh und war nur Gehend zu bewältigen. Allerdings staute es sich hier schon leicht und so hatten alle mit dem gleichen Schicksal zu kämpfen und mussten sich nacheinander einreihen.

Die zwei abschüssigen Kilometer konnte ich dann wieder laufen, allerdings nur langsam, da es relativ steil runter ging und durch den Regen sehr rutschig war.

Das Ziel erreichte ich schließlich nach 4:17:06h.

Nach dem Lauf

Im Ziel gab es zunächst die Finisher Medaille und sofort danach eine Wärmfolie. Diese war bitter nötig, denn die vorhergesagten 2-3 Grad waren Realität geworden. Ich hielt mich daher auch gar nicht lang im Zielbereich auf, holte nur etwas zu trinken und das Finisher Shirt ab, bevor ich mich zur Gepäckausgabe begab.

Diese war leicht zu finden und die Ausgabe lief reibungslos. Aufgrund der Kälte verzichtete ich allerdings auf die Dusche vor Ort, sondern setzte mich in den nächsten Zug zurück ins Tal, wobei die Startnummer als Ticket galt.

Zurück in Interlaken ging ich zuerst zum Hotel, um mich zu erfrischen und aufzuwärmen.

Später kehrte ich nochmal zum Startbereich zurück, denn im Zelt fand am Abend noch die Siegerehrung statt und es gab ein kleines Unterhaltungsprogramm.

Fazit

Der Jungfrau Marathon in Interlaken genießt seinen guten Ruf zu Recht. Das Event ist toll organisiert und wartet mit einem umfangreichen Rahmenprogramm auf. Die Stimmung in den Ortschaften entlang der Strecke ist fantastisch und trotz des schlechten Wetters konnte man etwas von den tollen Landschaften mitbekommen und erahnen, wie grandios das ganze bei klarer Sicht sein muss. Der Lauf ist auf jeden Fall eine Top Empfehlung für alle, die mal eine Herausforderung suchen.

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