Große Aufregung herrschte im November vergangenen Jahres, als verkündet wurde, dass der Zugspitz Ultratrail ab 2026 Teil der UTMB World Series sein wird, schließlich hatte die größte Traillaufveranstaltung Deutschlands den Ruf, eine besonders familiär Athmosphäre zu haben und für die Läufer gemacht zu sein. Das passt gar nicht zur Philosophie der UTMB Group, die ja grundsätzlich auf maximalen Gewinn aus ist und schon viele Veranstalter vom Markt verdrängt hat. Laut Pressestatement sollte sich nichts ändern, doch dass die Realität anders aussieht, davon konnte ich mir schon bei der Anmeldung und dann beim Lauf Mitte Juni 2026 selbst ein Bild machen.
Die Anmeldung – Chaos pur
Wenige Tage nach Bekanntgabe der Übernahme öffnete die Anmeldung für alle Distanzen beim Zugspitz Ultratrail (ZUT). Bereits im Vorfeld wurde die UTMB-typische, intransparente Preisgestaltung kritisiert. Früher gab es verschiedene Preisstufen nach Anmeldung, die offen kommuniziert wurden. Unter dem UTMB-Label steigen die Preise willkürlich, ohne dass die Teilnehmer wissen, wann und auf welchen Preis.
Das führte dazu, dass mit Öffnung der Anmeldung gefühlt jeder der Erste sein wollte. Das führte schnell zu einer Überlastung der Server. Ich selbst war lang in der Wartschlange und als ich durchkam, stürzte das System im Bezahlvorgang ab. Als ich erneut durchkam, war der Preis wesentlich höher als zuvor, doch diesmal funktionierte der Prozess und ich konnte mir einen Startplatz für den Ultratrail sichern. Leider hatten nicht alle so viel Glück und so blieben auch in unserem Verein viele Interessenten auf der Strecke.
Auf nach Garmisch-Partenkirchen
Ich reiste am Donnerstag in die Zugspitzregion, da mein Start schon am Freitag sein sollte. Zunächst besuchte ich die Messe, die wie im letzten Jahr mit vielen spannenden Ausstellern aufwartete. Hier erhielt ich auch ohne Wartezeit meine Startnummer. Anschließend ging es nach Grainau, wo ich auf einem Campingplatz eincheckte und mich mit Claudia traf, die als Supporterin dabei war.
Getrübt wurde die Stimmung dann leider am Donnerstagnachmittag, als der Veranstalter bekanntgab, dass es wetterbedingte Anpassungen geben wird. Für Freitagabend und Samstagnachmittag waren schwere Gewitter vorhergesagt. Daher durften die 100 Meilenläufer am Donnerstag „nur“ auf eine 100km Runde gehen, um vor dem Unwetter im Ziel zu sein. Für uns Ultratrailläufer (107km) sah der Veranstalter einen Start in Leutasch vor, von wo aus wir 74km laufen sollten. Auf die gleiche Strecke schickten sie die Teilnehmer des Ehrwald Trails, eine halbe Stunde vor uns…
Raceday
Am Freitag, 19. Juni 2026 besuchten wir am Vormittag erneut die Messe für eine kurze Shopping-Tour. Anschließend ging es zurück zum Campingplatz, wo ich versuchte, etwas Ruhe zu finden.
Nach einem frühen Abendessen brachte mich Claudia zum Eisstadion Garmisch, wo die Shuttlebusse abfuhren. Kurz nach Abfahrt um 19:00 Uhr brach dann das angekündigte Gewitter über uns los. Glücklicherweise hörte der Regen pünktlich mit Ankunft in Leutasch auf und wir kamen trockenen Fußes ins Freizeitzentrum, wo der Start stattfinden sollte.
Hier konnten wir uns drinnen aufhalten und warteten, begleitet von Musik und Moderation, auf den Start.
Um 21:00 Uhr starteten die ca. 250 Starter des Ehrwald Trails und der Startkanal wurde für die Ultratrailläufer geöffnet. Die Kontrolle der Pflichtausrüstung lief flüssig, doch es schien dabei trotzdem zu Verzögerungen zu kommen. Daher informierte der Streckenchef kurz vor dem geplanten Start, dass sich dieser um zehn Minuten verzögern würde.
Der Startschuss für die gut 800 Teilnehmer ertönte schließlich um 21:40 Uhr
Mein Zugspitz Ultratrail
Es ging flott los und ich fand auch schnell in meinen Rhythmus. Mein Plan war es, mein eigenes Tempo zu laufen und mich nicht von anderen beeinflussen zu lassen. So ging es raus aus Leutasch und schon bald auf den ersten großen Anstieg zum Scharnitzjoch. Bereits zu Beginn des Anstiegs lief ich auf die ersten Teilnehmer des Ehrwald Trails auf. Auf den schmalen Fels- und Wurzel Trails war das Überholen trotz viel Rücksichtnahme eine Kräftezerrende Angelegenheit. Nach gut 14km waren wir am höchsten Punkt angelangt und es folgte ein langer Downhill. Darin liegt wahrliche nicht meine Stärke und so galt es vor allem, sicher unten anzukommen. Das gelang mir auch und ich erreichte nach 22km die Verpflegungsstation Hubertushof. Hier füllte ich meine Wasserflaschen und versorgte mich kurz, bevor es flach und gut laufbar weiter nach Mittenwals ging.
Die nächsten Kilometer waren unspektakulär, ich lief zum Teil einsam durch die Nacht, versorgte mich an den Verpflegungspunkten und überholte gelegentlich noch Starter des Ehrwald Trails.
Ab Mittenwald war mir die Strecke aus dem Vorjahr bekannt und die Distanz von 40 Kilometern zum Ziel war mir vertraut. Also lief ich konzentriert weiter, vorbei am Schloss Elmau und über einen gut laufbaren Auf- und Abstieg zur Partnachalm, wo bereits über 50 Kilometer absolviert waren.
Wenig später bog der Weg auf den letzten großen Anstieg ein. Gut acht Kilometer und 900 Höhenmeter ging es hoch auf den Osterfelder Kopf. Dazwischen wartete am Kreuzeck ein großes Stimmungsnest auf die Teilnehmer. Obwohl ich hier in der Morgendämmerung durchlief, war das Nest von ein paar Hartgesottenen besetzt und die Stimmung war super. Getoppt wurde das ganze vom herrlichen Morgenrot und auf dem Weg zum Osterfelder Kopf ging schließlich die Sonne auf. Das war für mich das Highlight auf der Strecke und belohnte für die Anstrengung. Von hier waren es nur noch ca. 12 Kilometer bis zum Ziel
Die ersten Meter des Downhills waren mir aus dem letzten Jahr bekannt und ließen sich auch 2026 nicht besser laufen. Große Stufen und steinige Trails forderten nochmal volle Konzentration. Besser wurde es dann aber bald, als es wieder Richtung Hotspot Kreuzeck ging. Von dort verlief die Strecke dann auf einem (teilweise steilen) Fahrweg zurück nach Garmisch.
Nach knapp 74 Kilometern erreichte ich das Ziel am frühen Morgen nach 8:43:27.
Post Race
Im Ziel nahm mich Claudia in Empfang. Zur Erfrischung gab es hier lediglich Wasser. Dazu die Finisher Medaille. Das richtige Buffet gab es im Kongresshaus. Dort versorgte ich mich allerdings erst nach dem Duschen. Dazu holte ich vorher noch meinen Kleiderbeutel und das (leider nicht besonders einfallsreiche) Finisher Shirt im Kongresshaus ab.
Nachdem ich wieder bei Kräften war, verließen wir das Gelände, denn die Messe öffnete erst in drei Stunden. Ich wollte den Vormittag daher etwas zur Ruhe kommen, während meine Begleitung selbst eine kleine Bergtour machen plante.
Am Nachmittag besuchten wir die Veranstaltung erneut, um ein paar Bekannte zu treffen bzw. deren Zieleinlauf anzufeuern. Das angekündigte Gewitter blieb an diesem Nachmittag glücklicherweise aus, sodass alle Bewerbe am Samstag ungestört ablaufen konnten.
Fazit Zugspitz Ultratrail 2026
Der Verkauf an den UTMB hat der Veranstaltung leider nicht gutgetan. Das Chaos bei der Anmeldung und die intransparente Preispolitik waren nur der Beginn. Vor Ort merkte man schnell, dass die familiäre Atmosphäre von früher abhandengekommen war, der Kommerz stand im Mittelpunkt. Das verdeutlichte sich auch durch die überproportional große Anzahl an Influencern vor Ort, die alles für Aufmerksamkeit taten. Der Sport wurde da zum Teil zur Nebensache.
Auch wenn es für mich unbefriedigend war, nur dreiviertel der eigentlichen Strecke laufen zu dürfen, habe ich volles Verständnis für die witterungsbedingten Streckenänderungen und möchte das nicht kritisieren. Kritik gibt es gleichwohl für die gewählten Startzeiten von Ehrwald Trail und Ultratrail, die unweigerlich und absehbar zu Problemen auf der engen Strecke führten.
Insgesamt hatte ich dennoch eine gute Zeit in Garmisch und würde mir wünschen, dass die Veranstaltung sich trotz UTMB-Einfluss etwas von ihrer Tradition bewahrt.





