Die Terra Raetica Trails gingen am 30. Juni 2026 in die vierte Auflage. An fünf Tagen galt es, fünf teilweise anspruchsvolle Strecken zwischen 15 und 26 Kilometern mit 1.100 bis 1.700 Höhenmetern zu absolvieren. Dabei führte die Tour auf landschaftlich attraktive und abwechslungsreiche Strecken der Erlebnisregionen Kaunertal, Tiroler Oberland, Engadin, Nauders und Reschensee.
Eine Woche Bergwelt
Für mich begann das Abendteuer Terra Raetica Trails am Samstag, 27. Juni 2026 mit der Anreise nach Pfunds. Am Campingplatz Via Claudiasee, der schön angelegt und günstig zwischen den Etappenorten lag, fand ich meine Basis für die kommende Woche. Am Sonntagmorgen traf Claudia ein, die sich der Herausforderung von insgesamt ca. 100km und 6.700 Höhenmetern ebenfalls stellen wollte.
Am Montag holten wir unserer Startunterlagen in der Tourismusinformation Ried ab. Hier informierte uns die nette Mitarbeiterin darüber, dass die Startzeiten für die ersten beiden Etappen auf 8:30 Uhr vorverlegt wurde. Zudem sei eine Streckenanpassung für den zweiten Tag möglich. Die Wetterprognose stellte Regen und Gewitter für die Nachmittage in Aussicht, worauf der Veranstalter mit diesen Maßnahmen reagierte.
Etappe 1 – Thomas Penz Höhenweg in Feichten (AUT)
Die Veranstaltung begann am Dienstag, 30. Juni 2026 in Feichten im Kaunertag. Dorthin hatten wir ca. 30 Minuten Anfahrt. Da wir mit den Abläufen noch nicht vertraut waren, planten wir etwas mehr Zeit für die Vorbereitung ein und waren bereits kurz nach 7:30 Uhr am Startort. Die kostenlosen Parkplätze waren (wie bei allen Etappen) nur wenige Meter vom Start entfernt und so hatten wir noch genügend Zeit, uns umzuschauen und aufzuwärmen.
Wenige Minuten vor dem Start erfolgte ein kurzes Briefing zur Strecke und pünktlich um 8:30 fiel der Startschuss zum ersten Lauf über knapp 17km und 1.100 Höhenmeter.
Zunächst führte die Strecke knapp zwei Kilometer über einen Wiesenweg, wo das Tempo hoch war und sich das Feld schnell sortierte. Ich reihte mich im Bereich der Top 10 ein, bevor es in den einzigen großen Anstieg des Tages ging. Hier stellte ich fest, dass bergauf meine Stärke liegt und ich konnte einige Teilnehmer passieren, sodass ich als Drittplatzierter am Berg ankam. Der Aussichtsreiche Höhenweg lief sich sehr angenehm, doch im folgenden Downhill hatte ich erwartungsgemäß meine Schwächen. So überholten mich einige Läufer und ich kam als siebter im Tal an. Hier folgten wir noch knapp zwei Kilometer einem Fahrweg zurück nach Feichten. An der Platzierung änderte sich nichts mehr und ich erreichte nach 1:54:06 das Ziel.
Die Zielverpflegung war abwechslungsreich, eine Medaille gab es allerdings nicht. Ebenso wenig gab es Duschmöglichkeiten (wie an allen Orten), sodass ich lediglich in trockene Kleidung wechselte. Anschließend wartete ich im Zielbereich auf die Ankunft meiner Begleiterin, die das Rennen ebenfalls gut hinter sich brachte.
Noch hielt das Wetter, doch lang blieben wir nicht mehr, schließlich wollten wir die Beine hochlegen, um für Tag zwei fit zu sein.
Etappe 2 – Frudiger Trail in Pfunds (AUT)
Am Abend des ersten Tages erhielten wir per Mail und SMS die Information, dass die Strecke für den zweiten Tag angepasst wurde. Die Wetterprognose verschlechterte sich und es sollte bereits zum Vormittag mit Regen und Gewittern zu rechnen sein. So standen statt der geplanten 26km auf dem Frudiger Trail nur noch 21km auf dem Programm.
Etwas enttäuscht doch trotzdem motiviert machten wir uns am Mittwochmorgen auf den kurzen Weg nach Pfunds, wo der Start erfolgte.
Bei noch sonnigen Bedingungen ertönte der Startschuss nach kurzem Briefing um 8:30 Uhr. Der Weg führte nun aber direkt aus der Ortschaft auf breite Waldwege und später auf Fahrstraßen und auch einige asphaltierte Abschnitte. Der schöne Klammsteig durch die Radurschlklamm und auch der Gipfel des Frudiger blieben uns an diesem Tag verwehrt. Dass die neue Strecke abgesehen von zwei Kilometern am höchsten Punkt nicht technisch war, kam mir entgegen. Die erste Hälfte ging es gut 1.100 Höhenmeter aufwärts. Hier konnte ich mich an Rang drei festsetzen und kam gut voran.
Nach einem kurzen Trail am höchsten Punkt führte die Strecke auf gleichem Weg zurück nach Pfunds. Hier kamen mir viele Läufer entgegen, die noch im Aufstieg waren. Platz war dabei genug und die anfeuernden Rufe motivierten zusätzlich. Entsprechend konnte ich ein hohes Tempo halten, gleichwohl ich gegen die späteren Sieger keine Chance hatte. Nach 1:48:07 erreichte ich das Ziel als Drittplatzierter. Kurz vor dem Zieleinlauf begann es allerdings leicht zu regnen, sodass ich die Versorgung kurz hielt und direkt zum Auto lief, um mich umzuziehen. Anschließend ließ ich mich im Festzelt am Veranstaltungsgelände nieder und wartete auf den Zieleinlauf meiner Begleitung. Sie musste leider länger durch den Regen laufen. Auch einige Blitze und Donner blieben ihr leider nicht erspart. Am Ende schaffte sie es aber, wie alle anderen auch, unversehrt ins Ziel.
Wir warteten die Tagessiegerehrung ab, bevor wir zurück zum Campingplatz fuhren. Das Wetter blieb an diesem Tag mies, sodass es leicht fiel, nichts weiter zu tun und somit gut erholt für den nächsten Tag zu sein.
Etappe 3 – Samnaun Trail (CHE)
Am Donnerstag wachten wir bei strahlendem Sonnenschein auf und die Prognose für die Folgetage war ebenso positiv. Demnach gab es keine weiteren Anpassungen am Ablauf und die Etappen starteten ab jetzt um 9:30 Uhr.
Eine knappe halbe Stunde brauchten wir nach Samnaun, dass auf 1.800 Metern über dem Meer liegt. Hier fand in meinen Augen die schönste Etappe der Veranstaltung statt. Die Strecke war „nur“ 14 Kilometer lang, dabei waren aber über 1.200 Höhenmeter zu überwältigen.
Vom Start weg führte der Weg bergauf, zunächst sanft, später dann auch etwas steiler. Nach fünf Kilometern erreichten wir das Stammer Joch. Auch an diesem Tag zeigte sich, dass ich am Anstieg gut vorankommen kann und so erreichte ich diesen Punkt als Führender. Am folgenden Downhill relativierte sich das ganze wieder und ich wurde von den drei Gesamtführenden des Events eingeholt. Gut zweieinhalb Kilometer später folgte der zweite Anstieg des Tages. Auch hier hielt ich gut mit, doch im langen abschließenden Downhill musste ich die Gruppe ziehen lassen.
Spaß hatte ich trotzdem, die Landschaft hier oben war wirklich sehenswert und die Trails toll zu laufen. Zudem spielte das Wetter endlich mit
Am Ende erreichte ich das Ziel nach 1:52:38 mit gut fünf Minuten Rückstand auf den Sieger als Viertplatzierter.
Auch hier erfrischte ich mich kurz und erwartete dann die weiteren Zieleinläufe, bevor es zurück ins Tal auf den Campingplatz ging.
Etappe 4 – Nauderer Höhenweg (AUT)
Nachdem die Strecke am zweiten Tag gekürzt wurde, stand heute die längste Strecke auf dem Programm, 26,5km und 1.600 Höhenmeter galt es zu bewältigen.
Erneut kam ich gut ins Rennen und lief auf Rang zwei den ersten großen Anstieg hoch. Nach gut acht Kilometern nahm ich an einer Gabelung den falschen Weg, da ich mich auf den Track auf der Uhr verließ und keine Markierung erkennbar war. Den Fehler merkte ich kurze Zeit später und kehrte zurück auf die Strecke. Dabei verlor ich aber ein paar Minuten und einen Rang. Zudem war das ein mentaler Rückschlag und der folgende Downhill sorgte aufgrund der Wegbeschaffenheit für weiteren Unmut. Etwas demotiviert setzte ich den Weg fort, doch der Höhenweg, der durch schöne Wälder und Täler führte war schwer zu laufen und ich hatte das Gefühl, nicht wirklich voranzukommen. Ich versuchte, das Beste aus der Situation zu machen und mich an der Landschaft zu erfreuen. Insgesamt tat ich mich jedoch schwer auf dieser Etappe und im Verlauf überholten mich zwei weitere Teilnehmer. Nach 20km war ich dann aber mental über den Berg und hatte wieder Freude am Laufen. So erreichte ich das Ziel nach 3:00:18 als Fünftplatzierter.
Claudia kam später auch gut ins Ziel, ihr ging es aber unterwegs teilweise ähnlich wie mir und der Spaß blieb teilweise auf der Strecke. Blieb zu hoffen, dass der letzte Tag nochmal ein Highlight wird.
Auf dieser Etappe musste leider auch der Gesamtführende verletzungsbedingt aussteigen, sodass ich in der Wertung auf Rang drei vorrückte. Diese Position galt es am letzten Tag zu verteidigen.
Etappe 5 – Reschensee Trail (ITA)
Die Königsetappe lag am letzten Tag vor uns. Auf 18km waren gut 1.700 Höhenmeter zu überwinden. Die Strecke führte dabei auf den Gipfel der Elferspitze auf eine Höhe von 2.926 Metern.
Der Start am Samstagmorgen führte dazu, dass an diesem Tag auch viele Tagesstarter am Start waren, die nur diese Etappe liefen. Das machte das Feld schwer einschätzbar, hatte man sich doch langsam an seine Mitstreiter gewöhnt.
So war es nicht verwunderlich, dass sich gleich am Start ein Läufer absetzte, der nur diese Strecke lief. Ich folgte ihm den ersten Anstieg bis zur Schöneben Bergstation, von wo aus ein Höhenweg weiter zur Haideralm führte. Auf diesem Weg fingen mich die Gesamtführenden ein, die mit dem Gelände besser vertraut waren. An der Alm waren zehn Kilometer absolviert und die Strecke führte in den langen Anstieg auf die Elferspitze. Hier ging es immer steiler werdend nach oben und gleichwohl ich einen guten Rhythmus fand, zog sich der Anstieg doch in die Länge. Auf den letzten 500 Metern des Anstiegs waren Steigungen von über 30% zu überwinden.
Am Gipfel wurde ich mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Der Abstieg war nicht weniger anspruchsvoll. Verblocktes Gelände und Steinplatten forderten volle Konzentration. Ich bin auf solchem Geläuf ungeübt und zog es vor, langsam, aber sicher voranzukommen. Dabei verlor ich zwar noch etwas an Boden auf die Führenden, kam aber unbeschadet voran, bis der Weg wieder laufbarer wurde.
Am Ende erreichte ich das Ziel an der Bergstation Schöneben als Achter des Tages nach 2:37:17. In der Gesamtwertung konnte ich meinen dritten Rang damit verteidigen und hatte die fünf Etappen mit ca. 96km und 6.700 Höhenmetern in 11:12:27 Stunden absolviert.
Auch Claudia kam gut gelaunt ins Ziel und war augenscheinlich begeistert von der letzten Etappe, da sie sich in diesem rustikalen Gelände wohlfühlt.
Post Race
Als Finisher erhielten alle Teilnehmenden eine Finisherpflanze, die sich sicher gut im heimischen Garten (oder auf dem Balkon) macht.
Nachdem alle Läufer des Tages das Ziel erreicht hatten, folgte die Abschlusszeremonie. Dabei wurden zunächst die Tagessieger, dann die AK-Gesamtsieger und schließlich die Gesamtsieger geehrt. Wie bei den einzelnen Etappen gab es auch für die Gesamtsieger lokale Spezialitäten. Dabei ist hervorzuheben, dass der Veranstalter sich als besonders nachhaltig gibt und die Preise fast ausnahmslos zum Verzehr oder von Nutzen waren. Einzige Ausnahme bildeten die netten, vom lokalen Handwerk gefertigten Pokale für die Gesamtsieger.
Für uns ging es anschließend zurück zum Campingplatz. Unsere Abreise war für Sonntag geplant, sodass wir den Nachmittag noch die Beine hochlegen und uns etwas erholen konnten.
Fazit der Terra Raetica Trails
Die Veranstaltung bietet wunderschöne Trails in einer landschaftlich herrlichen Region. Das gesamte Event ist liebevoll organisiert, zahlreiche Helfer sorgen auf den Strecken für Sicherheit und das leibliche Wohl der Teilnehmer. Die Etappen sind unterschiedlich schwer und bieten in der Gesamtheit ein sehr abwechslungsreiches Programm.
Das Teilnehmerfeld war auf ca. 300 Gesamtstarter limitiert, dazu kamen pro Etappe ein paar Einzelstarter. 130 Euro für alle fünf Etappen sind mehr als fair und man bekommt für das Geld wirklich etwas geboten.
Vielen Dank auch an alpenglow-visuals für die schönen Bilder, die kostenlos zur Verfügung gestellt wurden.















