World wide Running

Von Eisenach ins „schönste Ziel der Welt – Schmiedefeld“ – Rennsteiglauf Supermarathon

Zehn Jahre nach meinem ersten Ultralauf zog es mich zurück zu dem Event, bei dem ich sowohl meinen ersten Wettkampf überhaupt (Halbmarathon 2009) als auch meinen ersten Ultra (2016) absolvierte – den Rennsteiglauf in Thüringen.

Der Rennsteiglauf

Der Rennsteiglauf ist ein Klassiker in der deutschen Laufszene. Am 9. Mai 2026 fand bereits die 53. Auflage der Veranstaltung statt. In diesem Jahr fanden sich laut Veranstalter ca. 15.000 Teilnehmer an den verschiedenen Startorten ein, um sich auf den Weg ins „schönste Ziel der Welt“ zu machen.

Neben den 73,9 Kilometern des Supermarathons (ca. 2.000 Starter) stehen insbesondere der Marathon (ca. 2.700 Starter) und der Halbmarathon (über 6.000 Starter) hoch im Kurs der Teilnehmer. Darüber hinaus waren verschiedene Wander- und Walkingstrecken mit und ohne Zeitnahme im Angebot.
Ich stellte mich 2026 zum zweiten Mal der Langstrecke und daher war das Reiseziel am Vortag Eisenach.

Auf nach Thüringen

In diesem Jahr begleitete mich Claudia zum Rennsteig. Sie ist selbst begeisterte Ultraläuferin und nahm ebenfalls am Supermarathon teil. Wir erreichten unser Ziel am frühen Nachmittag und der erste Weg führte zur Ausgabe der Startunterlagen im Wettkampfbüro am Markt in der Wartburgstadt. Die Helfer waren überaus freundlich und die Orga gut, aber neben den Startnummern gab es dort nicht viel. Wir lösten für 15 Euro pro Person noch ein Busticket, um am Wettkampftag vom Ziel zurück nach Eisenach zu kommen (ich meine, der Transfer war früher mal im Startpreis inkludiert…).

Im Preis inbegriffen ist allerdings noch immer die Kloß-Party im Festzelt auf dem Markt, die wir mitnehmen wollten. Die Zeit, bis es so weit war, überbrückten wir mit Kaffee und Kuchen.

Um 17 Uhr begann die Ausgabe und neben dem klassischen Kloß-Menü gab es auch eine Veggie Version, was mich positiv überraschte. Das Essen war gut und die Stimmung im Zelt nahm Fahrt auf, doch da wir am nächsten Tag früh raus mussten, hielten wir uns nicht mehr lang auf und bezogen anschließend unser Hotel am Stadtrand.

Raceday

Der Wecker am Samstagmorgen zeigte keine Gnade und warf uns 4:15 Uhr aus dem Bett. Es blieb Zeit für ein kurzes Frühstück, bevor wir auscheckten und ins Stadtzentrum von fuhren. Unweit des Marktplatzes gab es einen großen und günstigen Parkplatz, den wir ansteuerten und den Rest des Weges zu Fuß zurücklegten. Am Markt trafen bereits die Shuttlebusse aus verschiedenen Richtungen ein und so waren auch in diesem Jahr (wie in meiner Erinnerung aus 2016) die Entsorgungsmöglichkeiten zu wenig und mit langen Wartezeiten verbunden…

Die Temperaturen waren noch niedrig, daher machte ich mich im Festzelt bereit und hielt mich nach Abgabe des Kleiderbeutels (den der Veranstalter zum Ziel transportierte) mit einer Rettungsdecke warm. Und so ging es dann auch bald in die Startaufstellung.

Die Moderation stimmte derweil auf den Lauf ein und es dauerte nicht lang, bis wir mit dem Schneewalzer auf den Weg geschickt wurden.

Mein Supermarathon

Ich hatte einen guten Platz in der Aufstellung gefunden und konnte vom Start weg relativ frei laufen. Nach wenigen hundert Metern verließen wir die Stadt und es folgte gleich der erste Anstieg. Da mir das Profil entgegenkam, lief ich die ersten fünf Kilometer vermutlich etwas zu flott los und blieb in Sichtweite der Führungsgruppe. Nachdem die Strecke abflachte, relativierte sich das ganze aber schnell und ich fand meinen Platz irgendwo im Bereich um Rang zehn, in dem ich große Teile des Rennens allein absolvierte.

Das Höhenprofil ist über den gesamten Lauf wellig, mit insgesamt ca. 1.800 positiven und ca. 1.300 negativen Höhenmetern. Es gibt unterwegs zwar ein paar Wurzel- und Steinpassage sowie ein paar wenige steilere Abschnitte, aber grundsätzlich ist die Strecke sehr flowig, technisch einfach und gut laufbar.

So ging es zügig voran, nach gut 17 Kilometern gab es die erste größere Verpflegungsstation (Glasbachwiese) und acht Kilometer später hatte ich die ersten Anstiege bis zum Großen Inselsberg hinter mich gebracht. Hier war bereits ein Drittel der Strecke absolviert.

Ich verzichtete an den sehr gut ausgestatteten und liebevoll betriebenen Verpflegungsstationen auf Experimente und nahm lediglich Tee und Wasser zu mir. Ferner hielt ich den Energiehaushalt mit Gels auf der Höhe und fuhr damit sehr gut. Am Ende war es aber doch Schade, dass mir Highlights wie „Schleim“, belegte Brote und Obst entgingen.

Als ich die zweite große Verpflegungsstelle auf der Ebertswiese erreichte, hatte ich bereits gut 37 Kilometer und damit die Hälfte des Rennens hinter mir. Ich passierte diesen Punkt nach knapp drei Stunden und lag damit im Zeitrahmen, mein Ziel von Sub6 zu erreichen. Viel Spielraum hatte ich allerdings nicht und so versuchte ich weiter, das Tempo so konstant wie möglich zu halten.

Die Marathonmarke überschritt ich nach ca. 3:22h und noch immer fühlte ich mich gut, sodass ich auch die folgenden Anstiege sicher hochkam. Da inzwischen auch die Sonne rauskam und die Temperaturen etwas anstiegen, machte das Laufen auch mehr Spaß. Die Kilometer verflogen weiter bis zum Grenzadler (54km) und darüber hinaus.

Den letzten Anstieg zum großen Berberg (61,6km) brachte ich auch noch gut hinter mich. Doch kurz zuvor kam aber eine andere Herausforderung auf mich zu, die mich bis zum Ziel begleiten sollte: ich lief auf Teilnehmer der Wanderung auf. Damit endete die doch so angenehme Einsamkeit und die Wege wurden plötzlich „eng“. Zum großen Teil nahmen alle Rücksicht aufeinander und die Wanderer warnten sich gegenseitig, den Weg für die Läufer freizumachen. Gelegentlich war es aber doch anstrengend, wenn Teilnehmer sich mit Kopfhörern von der Außenwelt abschotteten und nicht reagierten oder der Weg doch mal schmaler wurde. Insgesamt bin ich aber gut vorbeigekommen und all denjenigen dankbar, die Rücksicht nahmen und dazu noch anfeuerten.

Nach überschreiten des große Berberges, der den höchsten Punkt der Strecke darstellte, ging es tendenziell nur noch bergab. Meine Beine waren noch fit für die letzten Kilometer und so konnte ich hier nochmal Tempo aufnehmen. Schließlich erreichte ich das „schönste Ziel der Welt“ nach 5:53:35 als Achtplatzierter.

Post Race

Direkt nach der Ziellinie erhielt ich meine Medaille und ich erfrischte mich an der Versorgung. Inzwischen war es angenehm warm geworden und die kühlen Getränke taten wirklich gut.

Der nächste Weg führte mich auf die Gepäckwiese. Hier waren inzwischen die Kleiderbeutel angekommen. Es herrschte „Self-Service“ und die Suche nach dem Beutel begann. Vor diesem Hintergrund sollte man den Hinweis des Veranstalters, keine Wertgegenstände in die Beutel zu packen, durchaus ernst nehmen. Nachdem ich meinen Beutel gefunden hatte, ging ich zu den Duschen. Diese befanden sich in einer großen Scheune und gaben ein seltsames Ambiente ab. Immerhin war das Wasser heiß.

Leider ist das Supermarathon Finisher Shirt nicht mehr in der Teilnahmegebühr enthalten und musste gegen Bezahlung vorbestellt werden. Zudem gibt es das gleiche Shirt auch für alle anderen Distanzen, sodass dieses Alleinstellungsmerkmal für Teilnehmer der Langstrecke leider nicht mehr gegeben ist.

Ich verfolgte das Rennen von Claudia und auch von Carsten (bekannt von anderen Berichten) im Live-Tracking und entspannte im schön gestalteten Zielgelände. Da ich in meiner AK den zweiten Rang belegte, durfte ich zur Siegerehrung und verpasste dadurch leider Claudias Zieleinlauf. Doch unmittelbar danach trafen wir uns auf der Gepäckwiese. Nachdem auch sie frisch geduscht war, gab es endlich den wohlverdienten Kaffee und Kuchen. 
Später trafen wir noch auf Carsten und seine Frau Annett (sie lief den Halbmarathon) für einen kurzen Austausch, bevor wir den Rückweg nach Eisenach antraten. Die zweistündige Busfahrt war zäh, verging aber. Anschließend stand für uns noch die knapp dreistündige Heimreise nach Bayreuth an, da am Sonntag mit dem Maisel’s FunRun ein Heimspiel auf mich wartete…

Fazit

Der Rennsteiglauf hat für mich eine besondere Bedeutung, schließlich begann hier mein Läuferleben und auch meinen ersten Ultra lief ich hier. Umso schöner, mal wieder da gewesen zu sein. Die Orga ist routiniert, die Helfer sind nett und stehen hinter dem, was sie tun. Hervorheben muss ich natürlich auch die sehr gute Verpflegung unterwegs und die Atmosphäre im Zielbereich.

Nicht so positiv finde ich, dass Bus und Finisher Shirt inzwischen extra kosten und das Shirt für alle Distanzen gleich aussieht. Als ebenso unglücklich erachte ich, dass einige Stände im Zielbereich schon vor Zielschluss abbauen und Aussteller das Areal verlassen. Das wirkt respektlos den langsameren Läufern gegenüber, die genau das gleiche Erlebnis verdient haben, wie die schnelleren…

Dennoch kann ich den Rennsteiglauf guten Gewissens empfehlen, da das Gesamtpaket passt und verschiedene Distanzen fast jeden Laufbegeisterten ansprechen.

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